SPD Sillenbuch Heumaden Riedenberg

 

Ortsverein Heumaden

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Heumaden vor 100 Jahren
Die Anfänge der SPD in Heumaden
Das Jahr 1933: verboten - verhaftet
Clara Döhring

Heumaden vor etwa 100 Jahren

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, also vor rund 100 Jahren, bestand das alte Heumaden im wesentlichen aus dem Viereck, das etwa durch die heutige Dreizlerstraße, den Glaunerweg und die Mannspergerstraße begrenzt wird. Im Südosten schlossen – wie heute noch – die Kirche mit dem damaligen Friedhof und das Rathaus den Ort ab. Dazu gab es in südwestlicher Richtung eine Bebauung in der Schwende und in der Nellinger Straße. In den rund 100 Häusern und 70 Scheunen, Ställen und Schuppen lebten 601 Menschen, 17 Pferde, 200 Kühe, 35 Ziegen, ein Schaf, 31 Schweine und 1039 Hühner (so können wir es der Württembergischen Gemeindestatistik von 1904 entnehmen).

Ein kleines Bauerndorf

Die alten Häuser grenzten direkt an die Straßen; die Scheunen und Schuppen waren meist nach hinten versetzt angeordnet, so daß sich Höfe ergaben. Oft hatten zwei oder mehrere Bauernwirtschaften einen gemeinsamen Hof, was leicht zu Streitigkeiten führte. Die meisten alten Bauernhäuser sind mit Fachwerk aus Eichen- oder Fichtenholz versehen; die Ausriegelung erfolgte mit Schichtsteinen, die mit Kalkmörtel aufgemauert wurden. Heumaden war ein kleines Bauerndorf, genauer gesagt: überwiegend ein Kleinbauerndorf, und es lag ziemlich weit ab von allen Verkehrsströmen, in der Beschreibung des Amtsoberamts Stuttgart liest man über Heumaden, „der kleine ländliche Ort (ist) ziemlich weit abgelegen“. Die Verbindungsstraße von Stuttgart nach Nürtingen (die damalige „Heerstraße“, heute die Kirchheimer Straße) führte im Westen am Ort vorbei, die nächstgelegene Bahnstation war Obertürkheim, exakt 4,9 Kilometer vom Heumadener Rathaus entfernt. Wen kümmerte dies? Welcher Heumäder fuhr damals schon mit der Eisenbahn?

Heumaden und Sillenbuch

Die Menschen lebten äußerst bescheiden, besaßen kaum Bargeld, waren aber – dank ihrer landwirtschaftlichen Produktion – weitgehend autark in der Lebensführung. Über Jahrhunderte hinweg vollzog sich das Leben in den gleichen Bahnen, war geprägt durch den von der Natur vorgegebenen Jahresablauf, der die Arbeiten auf den Äckern, den Wiesen und in den Weinbergen bestimmte. Landwirtschaftliche und einige wenige handwerkliche Betriebe sorgten für den Lebensunterhalt der Menschen. Die Beschreibung des Oberamts Cannstatt gibt ein ausführliches Bild über die Zustände in Sillenbuch kurz vor der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Dort liest man: „Die Hauptnahrungsquelle ist Ackerbau, Obstbau und Milchwirtschaft. (Es sind) vorhanden 109 landwirtschaftliche Betriebe bei im ganzen ca. 130 Haushaltungen. Davon hatten 61 (= 56 %) unter 1 ha Bewirtschaftungsfläche. Es waren hier der Zahl nach vorherrschend Zwergwirtschaften. Die Zwerg- und kleinen bäuerlichen Wirtschaften sind auf Ergänzung ihres Einkommens durch Nebenerwerb angewiesen ...“ Ob die Heumäder da besser gestellt waren? Der seit alters her überlieferte Spruch „In Heumaden ist gut seyn, da wächst Alles“ läßt dies vermuten, aber die in der „Chronik Heumaden 1910“ von Waltraud und Walter Dreizler geschilderten Zustände in dem Dorf lassen daran zweifeln. Die Arbeit auf den Äckern blieb weitgehend den Alten, den Frauen und Kindern vorbehalten. Die geringe Betriebsgröße der Bauernwirtschaften – wie man heute sagt – hing mit der in Württemberg üblichen Realteilung des Besitzes zusammen. Nicht der älteste Sohn erbte den Bauernhof, sondern die Äcker und Wiesen wurden auf alle Kinder vererbt, also aufgeteilt, so daß eine verwirrende kleinteilige Güteranordnung entstand. Ein handtuchbreiter Acker neben dem anderen. Eine Folge dieser Güterteilung war, daß man „im Ort“ heiratete. So blieb das „Sach“ möglichst beieinander. Waltraud und Walter Dreizler haben für Heumaden ermittelt, daß – zwei- oder dreihundert Jahre zurück gerechnet – alle eingesessenen Heumäder Familien miteinander verwandt seien.

Heumaden in der Großstadt

Immerhin gab es in Heumaden zwei „größere“ Bauern mit Betrieben zwischen 5 und 10 ha Größe, die meisten landwirtschaftlichen „Betriebe“ aber waren Kleinbauernwirtschaften, über die Hälfte davon bewirtschaftete eine Fläche zwischen einem und zwei Hektar.
Die landwirtschaftliche Produktion in Heumaden war um 1900 weitgehend auf die Bedürfnisse der nahe gelegenen Großstadt Stuttgart ausgerichtet. Was dort gefragt war, wurde erzeugt. Um 1900 stockten die Heumäder ihre Weinberge weitgehend aus und pflanzten Obstbäume, legten Beerenkulturen an, denn das Obst und die Beeren konnten auf dem Markt in Stuttgart gut verkauft werden. Auch die Viehhaltung wurde auf den Bedarf der Großstädter ausgerichtet. In einer amtlichen Beschreibung heißt es: „Die Heumadner Butter ist sehr begehrt“, Eier konnten leicht abgesetzt werden. Frischmilch musste jeden Morgen den Stuttgarter Bürgern ins Haus geliefert werden. Also machten sich die „Milchmädchen“ mit ihren schweren Karren auf den steilen Weg hinunter in die Stadt auf, zu Fuß selbstverständlich, wie auch die Frauen, die auf den Stuttgarter Märkten ihre Erzeugnisse anboten. Als einziges Zeugnis aus der damaligen Zeit steht noch die Ruhebank am Silberwald, wo die Frauen ihre schwere Last für eine kurze Pause abstellen konnten.

Hans-Georg Müller ist der Autor des Buches "Aus 3 Dörfern wächst 1 Stadtbezirk".


Die Anfänge der SPD in Heumaden

Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts häuften sich die Gründungen der „Arbeiter“-und „Sozialdemokratischen Vereine“ in Stuttgart und Umgebung, wie überall im damaligen Deutschen Reich. Solche politischen Organisationen wurden zunächst in den damals überwiegend von Arbeitern bewohnten Orten wie Feuerbach (Gründungsjahr 1887), Heslach (1887), Prag (1886/87) und Gaisburg (1889) ins Leben gerufen. Aber auch in Heumaden, in dem damals von Industrie und Verkehr abgelegenen Dorf mit rund 600 Einwohnern, reichten erste Versuche, einen eigenen Arbeiterverein zu gründen, zurück bis ins 19. Jahrhundert. Viele Heumäder gingen in die Fabriken nach Stuttgart und ins Neckartal und kamen dort mit dem sozialistischen und gewerkschaftlichen Gedankengut in Berührung. In Hedelfingen, wohin die Heumäder traditionsgemäß Verbindung hielten, existierte seit 1890 ein sozialdemokratischer Arbeiterverein. Die „Schwäbische Tagwacht“, im sozialistischen Verlag J.H.W. Dietz in Stuttgart herausgegeben, lag damals in den Heumadener Gaststätten „Zur Rose“ und „Zur Linde“ auf, so dass man sich, wenn ein eigenes Abonnement der Zeitung zu teuer war, dort über die politischen Ereignisse aus der Sicht der Sozialdemokratie informieren konnte.

Gründung eines Arbeitervereins

Immerhin war der kleine Ort für die Stuttgarter SPD so wichtig, dass bereits im Mai 1894 einer ihrer führenden Köpfe, Karl Kloß nämlich (damals Fraktionsvorsitzender des Stuttgarter Bürgerausschusses, später Landtags- und Reichstagsabgeordneter), sich den Berg nach Heumaden hinauf bemühte und dort in der „Linde“ in einer öffentlichen Veranstaltung sprach. Dies war wohl der Anlass für die nun ernsthaft einsetzenden Bemühungen um einen Arbeiterverein in den folgenden Jahren. Bei einer Wahlveranstaltung zur Reichtagswahl am 23. Mai 1903 schritt man zur Tat: 25 der anwesenden Besucher erklärten sich spontan bereit, einen sozialdemokratischen Arbeiterverein zu gründen. Organisatorische (wohl auch personelle und finanzielle) Hindernisse ließen dann nochmals über ein Jahr verstreichen, bevor bei der für Samstag, 11. Juni 1904 „auf abends ½ 9 Uhr“ einberufenen Gründungsversammlung in der „Krone“ (siehe „Filderbote“ Seite 5) der Arbeiterverein offiziell aus der Taufe gehoben wurde. 22 Mitglieder zählte die SPD Heumaden damals. Zu den nun regelmäßig stattfindenden Versammlungen lud der Vorstand durch Ankündigungen in der „Tagwacht“ ein. Es wurde also für selbstverständlich angesehen, dass die politisch interessierten Arbeiter diese Zeitung lasen, auch konnte man in dem kleinen Ort mit der mündlichen Weitergabe von Terminen rechnen.

Die ersten Wahlerfolge

Bereits bei den Wahlen zum Bürgerausschuß im Dezember 1904 konnte der junge Verein einen großen politischen Erfolg feiern: alle vier Kandidaten des AVs wurden auf Anhieb in das Gremium gewählt. Der bisherige (bürgerliche) Ausschussobmann wurde abgewählt. Er hatte nicht nur die Arbeiterschaft vor den Kopf gestoßen, weil er eine Verlegung der Wahlzeiten auf den Abend abgelehnt hatte mit den Worten: „Wegen den paar Arbeitern sitzt man nicht in der Nacht aufs Rathaus. Manche machen einen blauen Montag, deshalb können diese auch mal vormittags zur Wahl kommen.“ Mit Friedrich Steiß zog 1907 der erste „Sozi“ in den Heumadener Gemeinderat ein. (Steiß wurde 1913 und 1919 wiedergewählt; in den 20er Jahren hatte er dort stets mehrere seiner Genossen an seiner Seite.) Die SPD war nun eine feste Größe in der Dorfpolitik geworden. In den bestehenden Vereinen bestimmend mitzuwirken, war nicht so einfach. Offensichtlich hatten die „Roten“ versucht, Einfluß auf den seit 1893 bestehenden Turnverein zu nehmen. Die Turnvereinler versuchten deshalb, dem einen Riegel vorzuschieben mit einer Änderung ihrer Vereinssatzung im Jahre 1907: „Wer einem politischen Verein oder einer Freien Gewerkschaft angehört, kann nicht Mitglied im Turnverein sein“. Lang konnte dieses Verdikt nicht Bestand haben. Wer denn als die jungen Arbeiter, die sonntags nicht „schaffen gehen“ mussten, sollten den Sportbetrieb aufrecht erhalten? Wer sollte die Heumadener Fußballmannschaft stellen (seit 1923 gab es eine Fußballabteilung im Turnverein) und wer hielt den Radfahrverein am Leben? 1927 dann kam es zu einem Zusammenschluß von Liederkranz und Turnverein unter dem Namen „Arbeiterbildungsverein Heumaden“ (ABV). Dessen Vorstand stellten nun nicht die gemäßigten Genossen vom Arbeiterverein, sondern radikalere Linke, „Kommunisten“, die es im Ort durchaus auch gab. Der ABV beschränkte sich nicht aufs Singen und auf den Sport, er trat auch mit eigenen Listen bei Gemeinderatswahlen an. Die Heumadener Sozialdemokraten neigten von Anfang an dem gemäßigten Teil der Württembergischen SPD zu. Einen Beleg dafür liefern die Ergebnisse der Urabstimmung über die Delegierten zum Parteitag in Chemnitz im Jahre 1912. Als Kandidaten standen bereit die Landtagsabgeordneten Berthold Heymann und Karl Hildenbrand, beide dem reformistisch-gemäßigten Flügel angehörend, und der Vorsitzenden der Stuttgarter SPD Friedrich Westmeyer, ein linker Sozialist. Die Heumadener Genossen gaben Hildenbrand 23 Stimmen, Heymann 17 Stimmen und Westmeyer 3 Stimmen. (Zum Vergleich die Ergebnisse in der bekanntermaßen „linken“ SPD in Riedenberg: Hildenbrand 19 Stimmen, Heymann 5 Stimmen, Westmeyer 20 Stimmen!) Die Heumadener Wählerinnen und Wähler honorierten die gemäßigte Linie ihrer „Sozis“ vor Ort, im Gemeinderat nach dem 1. Weltkrieg war die Zahl der bürgerlichen und die der sozialdemokratischen Räte stets gleich groß. Schließlich hatten die SPDler auch einiges für die Bewohner des Ortes getan, zumindest die Filiale des Konsumvereins kam allen Einwohnern zugute.

Hans-Georg Müller ist der Autor des Buches "Aus 3 Dörfern wächst 1 Stadtbezirk"


Das Jahr 1933: verboten - verhaftet

Die Reichstagswahl am 5. März 1933 fand bekanntlich unter Umständen statt, die von einer „freien“ Wahl himmelweit entfernt waren. Alle demokratischen Parteien, die „linken“ selbstredend vor allem, wurden im Wahlkampf massiv behindert, am Tage der Wahl patrouillierten SA-Angehörige vor den meisten Wahllokalen, um die Wähler einzuschüchtern.
Das Ergebnis brachte für die braunen Machthaber bei uns eine Enttäuschung: die Heumadener Wählerinnen und Wähler gaben der NSDAP sogar 8 Stimmen weniger als den beiden linken Parteien SPD und KPD zusammen.

Erklärtes Ziel der Nazis war, alle anderen Parteien auszuschalten, eine Alleinherrschaft der NSDAP zu errichten. Die Abrechnung mit den politischen Gegnern verlief auf zwei Ebenen, auf einer offiziellen, quasi legalen und auf einer „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ Schiene.
Zur ersteren gehörte das sogenannte „Gleichschaltungsgesetz“ vom 31. März 1933, nach dem die Zusammensetzung aller Parlamente, also der Landtage und der Gemeinderäte, neu vorzunehmen war. Und zwar hatten diese nun den in der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erzielten Ergebnissen zu entsprechen und nicht mehr den Ergebnissen der Kommunalwahlen von 1931, bei denen die Gemeinderäte eigentlich bis 1937 gewählt worden waren. Damit waren die Vertreter der KPD (die am 5. März für die KP abgegebenen Stimmen wurden annulliert) und die der örtlichen Wählervereinigungen (wie die Freien Wähler), die naturgemäß nicht auf Reichsebene tätig waren, ganz ausgeschaltet. Gleichzeitig wurde die Zahl der Mitglieder in den Gemeindeparlamenten durch einen Federstrich einfach verkleinert, der Heumadener Gemeinderat zählte nun mehr nur noch sechs Mitglieder, und diese waren natürlich NSDAPler. Am 22. Juni wurde die SPD in Deutschland verboten, die bürgerlichen Parteien lösten sich dann selber auf. Zu den sozusagen „rechtlichen“ Maßnahmen gehörten auch die rasch vorgenommenen Auflösungen der Arbeitervereine und die Gleichschaltung der bürgerlichen Vereine. Dies traf vor allem den „Arbeiterbildungsverein“, der frühere Turnverein wurde nun zum „Turn- und Sportverein“ und der Gesangverein hieß wieder „Liederkranz“.

Zu den illegalen Maßnahmen gehörten Vorladungen, Verhöre und Verhaftungen. Diese wurden jedoch nicht durch die ordentliche Polizei vorgenommen oder gar aufgrund eines Gerichtsbeschlusses angeordnet. Ausführende waren SA-Männer, eigentlich rechtlich völlig unbefugt zu solchen Aktionen, kurzerhand aber zu Hilfspolizisten erklärt, sie scheuten dabei nicht vor Drohungen und vor Misshandlungen zurück. Solche „Nacht- und Nebel-Aktionen“ verliefen von Ort zu Ort verschieden, hatten in kleinen Gemeinden einen anderen Charakter als in den Städten, wo Vorladungen und Verhaftungen weitgehend anonym bleiben konnten.
In den Dörfern kannte jeder jeden, dort war es in erster Linie wichtig, ein „anständiger Kerle“ zu sein und erst in zweiter Linie wurde danach gefragt, welche politische Gesinnung einer hatte. Hier waren die Willkürmaßnahmen andererseits aber sehr oft geprägt durch persönliche Abneigungen, hier wurden nur zu oft alte Rechnungen beglichen. Was sich am 23. März im Heumadener Rathaus abspielte, fällt unter die Rubrik Abrechnen aus unpolitischen Gründen. Nachbarn hörten ungewöhnlichen Lärm aus dem Amtszimmer des Bürgermeisters, lautes Geschrei, Poltern von umfallenden Möbelstücken. Auf Hilferufe des Bürgermeisters hin begaben sie sich zum Rathaus und konnten gerade noch verhindern, dass einige uniformierte SA-Männer den Bürgermeister Kettenmann die Treppe hinunterstießen, nicht verhindern konnten sie die Verhaftung Kettenmanns und seine Einweisung in die sogenannte „Schutzhaft“, aus der er jedoch, da nichts politisch Belastenden gegen ihn vorlag, nach einigen Tagen wieder entlassen wurde.
Anders erging es fünf Heumadenern, die bereits am 20. März in Haft genommen und ins KZ auf dem Heuberg verbracht wurden. Es waren dies die Sozialdemokraten Adolf Klein, Gotthilf Rapp und Karl Lautenschlager, Friedrich Schlotterbeck vom Arbeiterbildungsverein und Wilhelm Maier von der KPD. Obwohl es sich bei ihnen um politische Gegner des Nationalsozialismus handelte, spielten auch hier andere, persönliche Motive mit. Der kommissarische Ortsvorsteher bemerkte, viele Heumäder wunderten sich darüber, warum ausgerechnet diese fünf verhaftet wurden und andere, durchaus radikalere „Linke“ verschont blieben.
Dafür spricht auch, dass der (NS-)Gemeinderat laut Protokollbuch am 24. März sich dafür einsetzte, die Sozialdemokraten und Schlotterbeck bald aus der Haft zu entlassen. „1933 geschah auch in Heumaden das Übliche“, bemerkt Hermann Zielfleisch in seiner 1970 erschienenen Ortsgeschichte „Heimat Heumaden“. Warum hätte es hier auch anders sein sollen?

Hans-Georg Müller ist der Autor des Buches "Aus 3 Dörfern wächst 1 Stadtbezirk".


Clara Döhring

Mit das prominenteste Mitglied der SPD Heumaden war Clara Döhring. Die gebürtige Thüringerin kam durch ihre Heirat bedingt Ende des ersten Weltkriegs nach Stuttgart. Sie war beruflich als Sekretärin des Vorsitzenden des Deutschen Metallarbeiterverbandes tätig.

Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft gehörte sie in Stuttgart zu den Frauen und Männern der ersten Stunde, welche leidenschaftlich für ein erneuertes demokratisches Deutschland eintraten. Zur ersten Bundestagswahl 1949 wurde sie zusammen mit Erwin Schoettle, dem späteren Ehrenbürger der Landeshauptstadt, für die beiden Stuttgarter Wahlkreise nominiert. Bei dieser Wahl ließ sie so bedeutende Mitbewerber wie den wenige Monate später zum Bundespräsidenten gewählten Theodor Heuss weit hinter sich. Zusammen mit Erwin Schoettle vertrat Clara Döhring 16 Jahre lang Stuttgart äußerst erfolgreich im Deutschen Bundestag in Bonn.

Die Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen auf dem Gebiet der Sozialpoltik und gesamtdeutscher Fragen. Selbst aus der Opposition heraus gelang es ihr beim größten sozialpolitischen Werk, der großen Rentenreform von 1957, bedeutende Beiträge zu leisten und insbesondere auch gegen die Benachteiligung der Frauen in der Gesellschaft anzugehen. Hierzu gehören zum Beispiel die neuen Mutterschutzgesetze von 1951. Besonders stolz war sie auf die Einführung des Blindengeldes für Zivilblinde. Clara Döhring war als Abgordnete und als Frauensekretärin des DGB Baden-Württemberg eine äußerst gewissenhafte, verlässliche und fleißige Frau, die sich dank ihres stets bescheidenen Auftretens großen Repektes und Beliebtheit erfreute. Im Bundestag war sie unter dem Begriff „zähe und stille Arbeiterin“ bekannt.

Clara Döhring war 1917 in die SPD eingetreten. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag war sie bis über ihren 80.ten Geburtstag hinaus sowohl in der Partei in Heumaden sowie als Delegierte in Stuttgart aktiv und beteiligte sich lebhaft an den leidenschaftlichen Debatten der damaligen Zeit. Nach langer schwerer Krankheit verstarb Clara Döhring 1987.

1976 auf dem Marktplatz: Clara Döhring, Ernst Haar (MdB) und Helmut Schmidt

Ute Vogt, Mdb

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